Die Welt

Die Aborigines

Abgelegt unter: Australien — 24. April 2007 @ 01:57

 

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Für die Aborigines besteht die Natur aus den “Fußabdrücken” der Schöpferischen Ahnen, welche oft als riesenhafte Wesen bezeichnet werden. Anders, als dies in der jüdischchristlichen Religion oder aber auch im Buddhismus getan wird, suchen die Aborigines nicht nach einem abstrakten Himmel, Nirwana oder gar einem Paradies.

Die Erde, auf der sie und mit der sie leben, ist dieses Paradies, ist der beständige Urgarten, die alles nährende Mutter, symbolisch dargestellt durch die Regenbogenschlange. Diese gibt allen Geschöpfen Leben, läßt sie wachsen, wieder vergehen, und nimmt sie wieder in sich auf.

Es gibt daher keinen Bereich des täglichen Lebens, der unterdrückt werden müßte. So ist die Aboriginal-Gesellschaft die wohl freizügigste, die es gibt. Die Regenbogenschlange dient wohl als das älteste Modell für die spektrale Ordnung der universellen Energien. Alle Erlebnisse und Taten der Schöpferischen Ahnen schwingen seit dem ersten Tag der Schöpfung in den Formen und Energien nach, die alle Lebensvorgänge, tierische, pflanzliche und menschliche, durchdringen und umhüllen.

Die Aborigines kennen die “Schlange des Nordens”, die empfängt und inspiriert und die “Schlange des Südens”, welche Stärke und Sichtbarkeit gibt. Es handelt sich hierbei um eine Allegorie für grundlegende magnetische Vorgänge auf der Erde. Der Nordpol ist derjenige Ort, an dem universelle Energien empfangen werden und in das Erdinnere geleitet werden.

Dort vermischen sie sich mit dem innerirdischen Magnetismus. Das Innere der Erde dient als Katalysator. Am Südpol treten die Energien dann wieder aus und verteilen sich von Süden her, realitätformend und netzartig, über den gesamten Erdball. Die Aborigines nennen dies die Bewegungen der Regenbogenschlange. Die wachstumsbringenden Energien des Südpols fließen von Süden nach Norden.

Die Energien bewirken an unterschiedlichen Orten auf dem Erdball dann Manifestationen des Lebens; so entstehen Tierarten, Pflanzen, aber auch menschliche Kulturen. Sogar die Kontinente bewegen sich in dieser SüdNord-Richtung über die Erdkruste. Analog liegt im KundaliniYoga das Energiepotential des Menschen am Rückgrat aufgerollt und fließt bei entsprechender Anregung nach oben.

Mensch und Erde sind im Weltbild der Aborigines eine energetische Einheit.

“Die Erde ist der Magen des Himmels” lautet die Übersetzung eines AboriginalMantras.

Die Initiierten empfangen alle traumzeitlichen Einflüsse erst dann, wenn diese in den Eingeweiden der Erde verdaut worden sind und von Süden her aus derem Innern über den Erdball fließen. Der Himmelskörper Erde ist somit aber auch selbst Bestandteil einer umfassenden universellen Einweihung, an der ganze Planetensysteme, Sterne, Galaxien bis hin zu den größten bekannten Konfigurationen stellarer Materie beteiligt sind. So folgen alle Bestandteile des Universums einem universellen, initiatorischen Muster.

Für den Menschen ist die Erde die unmittelbare Überbringerin der traumzeitlichen Wirklichkeit. Im magischen Weltbild der australischen Ureinwohner ist alle Realität ein Hin und Herschwingen zwischen Traum und geträumten Sein, zwischen Ungeborenem, Lebendigem und Totem. Eine schöpferische Schwingung verfestigt sich, tritt in die sichtbare Welt ein, wird zu einer Schöpfung. Während ihrer Existenz bleibt sie immer mit den Kräften verbunden, denen sie entstammt, bis sie schließlich wieder in die Welt des Toten bzw. Ungeborenen zurückschwingt.

Die gesamte Natur ist das Ergebnis dieses energetischen Pendelns. Gedanken verfestigen sich zu Formen und Formen tauchen zurück in die Welt der Gedanken. Der Aborigine sieht die Welt als einen beständigen Fluß, aus dem sich die Manifestationen wie Inseln herausbilden. So kennen die Aborigines keine Worte, die “Zwischenzustände” ausdrücken.

In neuerer Zeit sind diese realitätsbildenden Kräfte oder Schöpferischen Ahnen mit Kraftfeldern, ähnlich den morphogenetischen Feldern Sheldrakes, gleichgesetzt worden. Für eine zunehmende Zahl von modernen Physikern sind sie mit dem Quantenpotential identisch, aus welchem die Elementarteilchen nach bisher unbekannten Gesetzmäßigkeiten in eine sichtbare Existenz treten.

Der Tod ist nach Auffassung der Aborigines der Übergang in einen anderen Schwingungsbereich, eine ReIntegrierung in das ursprüngliche Feld. Analog findet sich in der Quantenphysik die Entfaltung und Einfaltung von Ordnungen. Das Leben kann mit dem Erblühen, Wachsen und Verwelken einer Blume verglichen werden, und selbst die Kontinente des Planeten folgen diesem Zyklus. All diese Erkenntnisse von den Gesetzmäßigkeiten des Lebens nehmen die Aborigines seit Jahrhunderttausenden der modernen Wissenschaft nicht nur vorweg, sondern sie leben diese auch innerhalb ihrer Kultur.

Wer bei entsprechender Reife die Initiationen erfährt, kann immer deutlicher die Welt der Verkörperlichung als das Innere des Traumes der Ahnen erkennen, welche einst, vor unzähligen Jahrtausenden, die Weiten des Urkontinents, zu dieser Zeit noch Teil Gondwanaland, selbst bevölkerten. Ihre Taten und Schöpfungen, aber auch ihre Fehler, sind in der “Vergangenheit” der Traumzeit zwar abgeschlossen, doch schwingen diese weiter und halten das Rad der Schöpfung ständig in Bewegung. Die Wesenszüge der Ahnen werden in Mensch, Tier, Pflanze und Mineral reflektiert.

Die so gestaltete Welt ist ein Austausch von Energien. Durch Sprache, soziales Verhalten, Gesetz, etc., durch die kulturelle Wahrnehmung der Wirklichkeit des Bewußten und Unbewußten in der Natur also, werden die Energien an die Traumzeit wieder zurückgegeben. Es findet immer eine Kommunikation statt, in der die wesentlichen Aspekte des Traumes der Jahrtausende enthalten sind.

Mit jeder Initiation wird dem Initianden eine neue Sprache enthüllt, durch die die Geheimnisse der Schöpfung für ihn erst verständlich werden. Diese initiatorischen Sprachen sind zeitlos, und die sinnliche, wahrnehmbare Welt wird ihrer übersinnlichen Inhalte und Bedeutungen daher zu keiner Zeit beraubt. Die Sprache ist so eines der wichtigsten Mittel der traumzeitlichen Wahrnehmung.

Die Aborigines sagen, daß die Welt ins Leben “gesungen” oder geschwungen worden ist. Das Bewußtsein wirkt wie ein Filter, dessen Durchlässigkeit der Mensch selbst bestimmen kann. So nimmt das Bewußtsein eines jüdischchristlichen Mystikers eine Energieform anders wahr, als das Bewußtsein eines Schamanen im Altai oder eines Aborigine in den Northern Territories. Die Wahrnehmung der traumzeitlichen Energien ist abhängig vom Bewußtseinsfilter.

Die Vielfalt des Denkens wird durch die Sprache ausgedrückt. Durch diese initiatorische Sprache kann der Aborigine in unterschiedlichen Ritualen die Tätigkeit des Unsichtbaren vermitteln. Durch das Leben der Aborigines wird die Traumzeit immer wieder neu nachempfunden. Samen und Baum verschmelzen so zu einem. Die Energien und Kräfte, die den Initiierten von den Ahnen übertragen worden sind, werden durch das Ritual “Leben”, durch Tanz, Sexualität und Ekstase wieder an die Quelle zurückgeben. So ist die Welt in einem ständigen energetischen Gleichgewicht.

Das Innere des Menschen, seine geistigen Tätigkeiten, entsprechen der Verkörperung der Ahnen. Das Äußere, die gesamte greifbare Natur, ist das Innere des Traums der Schöpferischen. Das Bewußtsein ist Tätigkeitsbereich und Potential des unendlich Schöpferischen. Dieses besitzt unendlich viele Formen und kann sich überall und zu jeder Zeit manifestieren. Menschen und Tiere sind ein inneres und äußeres Spiegelbild füreinander. Daher beobachten die Aborigines ihre Umwelt genau.

Tiere gelten bei den Aborigines als der wahre Ausdruck des verborgen Archetypischen. Diese archetypischen Kräfte werden im Clanleben zum Ausdruck gebracht. So ist der Clan sowohl matri- als auch patri-linear, d.h., besteht aus zwei Hälften, wobei die eine das AllMütterliche und die andere das AllVäterliche symbolisiert.

Pflanzen werden als “Botschaftsstöcke” betrachtet. Sie rufen die verschiedenen Tiere und Menschen ins Leben. Das Leben existiert, je nachdem, welche Pflanzen auf der Erde wachsen. Eine Parallele besteht zu den indischen Veden:

“Eine Spezies wird nur dann entstehen, wenn ihre Nahrung vorhanden ist. Wenn die Nahrung nicht vorhanden ist, wird diese Spezies nur potentiell existieren.”

Dies entspricht dem immerwährenden Dasein aller Tiere und Menschen im Bereich der Traumzeit bei den Aborigines. Gegen Ende eines Zyklus, in seiner Konfliktphase, kehren im Menschen gemäß der sogenannten Theorie des “reversierten Totemismus” viele Eigenschaften von Tieren zurück, die aus einer Zeit stammen, als Mensch und Tier ein einziges Wesen waren. Da Traumzeit und wahrnehmbare Welt miteinander verwoben sind, ist die räumliche Landschaft für den Aborigine immer die vollkommene sinnbildliche Beschreibung des Inneren des Menschen, der Gesellschaft und der Kräfte der Schöpferischen Ahnen, die diese Welt erschaffen haben.

So ist das erdverbundene Leben der Aborigines ein Lauschen des Traumes der Ahnen. Die wahrnehmbare Welt wird “Yuti” genannt, die die Welt gestaltende Traumzeit “Tjukurrtjana”. Die Kraft des “Tjukurrtjana”, der Traum also, enthüllt sich immer in Beziehung zum “Yuti”, dem Wahrnehmbaren. In den vielen Sprachen der australischen Urbevölkerung gibt es daher kein Wort für Erfindung oder Phantasie. Etwas, was nicht geschieht oder nicht wahrgenommen wird, ist schlichtweg eine Lüge.

Auch die Traumpfade, auf denen sich die Gesellschaft der Aborigines bewegt, spiegeln diese Haltung gegenüber der Schöpferischen Kräfte der Natur wider. Diese Pfade, die sich überall finden lassen, sind mit den Adern im Körper eines Menschen vergleichbar. Die Aborigines können diesen unsichtbaren Energieadern der Erde körperlich und geistig nachreisen. Es ist in vielen Studien erkannt worden, daß Aborigines in der Lage sind, den Erdmagnetismus wahrzunehmen.

Die Traumpfade, die in direkter Beziehung zu der oben erläuterten Allegorie der Regenbogenschlange stehen, sind Bestandteil der wohl ältesten Geomantie. Für rituelle Handlungen in Verbindung mit dem Verfolgen von Traumpfaden, auch “Songlines” genannt, aber auch für andere Rituale, reiben sich die Aborigines mit rotem Ocker ein.

Dieser Ocker, den initiierte Aborigines ihrem eigenen Körper entnehmen, enthält Eisenoxidverbindungen, die bewirken, daß sich die Zellen und Moleküle des Körpers parallel zu den magnetischen Feldlinien der Umgebung oder der Traumpfade ausrichten.

Blut wird verwendet, um Vogelfedern, welche ein magnetisch hochsensibles Protein enthalten, am Körper zu befestigen. Der Orientierungssinn von Vögeln, aber auch anderen Tierarten, beruht auf der Wahrnehmung erdmagnetischer Felder. Magnetismus ist nach Ansicht der Aborigines die Grundlage für die Intelligenz von allen Lebewesen. Aus diesem Grunde kommt es während der zyklischen Umpolungen des Nord und Südpols, welche etwa in Abständen von 700.000 bis eine Million Jahren stattfinden, global zu Desorientierungserscheinungen, die zum Aussterben ganzer Spezies führen können.

Auch dem “Raum” weisen die Aborigines eine gänzlich andere Bedeutung zu, als dies in der westlichen Gesellschaft getan wird. Jeder geographische Ort hat seine Magie. Jeder Ort hat seine eigene mythische Geschichte, durch das Anzapfen seiner Energien kann der Aborigine diese Geschichte erfahren. Überall ist es möglich, in Kontakt mit den initiatorischen Energien der Traumzeit zu treten. Es gibt Orte, an denen sich die Schöpferischen Ahnen z.B. in Gestalt von bestimmten Tieren oder Pflanzen manifestieren.

Wie die Geburt des einzelnen Menschen, so ist auch die Geschichte eines jeden Clans fest mit einem bestimmten Ort verbunden. Magie, Wahrnehmung der Traumzeit, Kommunikation mit den Schöpferischen Ahnen und geographischer Ort sind gleichzusetzen. Wenn an einem bestimmten Ort der Geist des Initiierten in den Geist eines Tieres oder einer Pflanze hineinfließt, kann er am Traum dieser Spezies teilhaben. Da alle Dinge im Traum des Menschen aus Bewußtsein bestehen, durchdringen sich Subjektivität, Gedanke und Objektivität, Verkörperlichung.

In der Nacht, bevor ein Aborigine jagen geht, lauscht er den Träumen der Hunde. Derjenige Hund, welcher im Traum besonders unruhig ist und sich häufig regt, wird ihn auf der Jagd begleiten. Im Weltbild der Ureinwohner Australiens ist es die traumzeitliche Bedeutung im energetischen Netzwerk der schöpferischen Natur, sind es nicht Zeit und Raum, die die Dinge miteinander verbindet.

Rückehr der Traumzeit
Das zivilisatorische Elend der Menschheit entstammt unter anderem der Verherrlichung des Bewußten als der einzig geltenden Instanz des Geistes. Religiös wird das gegenwärtige Zeitalter durch die Sonne symbolisiert. Im Weltbild der Aborigines wurde das Zeitalter des schöpferisch und initiierend Weiblichen, das Goldene Zeitalter, durch das gegenwärtige Zeitalter des degenerierend und endend Männlichen, im Hinduismus das KaliYuga, abgelöst. “…Der Mann wird von der Kultur geformt”.

Das oben erwähnte Sprichwort der Aborigines trifft auf die gegenwärtige patriarchale Gesellschaft zu: Da der Mann nicht von der Kultur, durch entsprechende Initiationen in die Traumzeit, geformt worden ist, degeneriert die Zivilisation. Die Bedeutung von Frau und Mann ist verzerrt worden, was unüberschaubare Probleme mit sich bringt.

Bei den Aborigines ist die räumliche Landschaft, das Wahrnehmbare, immer der Ausdruck des inneren Zustandes der Gesellschaft. Während die Ureinwohner Australiens in einer ungestörten Natur, im Urgarten des Schöpferischen leben, türmen sich in den Metropolen der westlichen Zivilisation die Müllberge bis in den Himmel.

Es sind die Müllberge, die Spuren der Ausbeutung und systematisierten Vernichtung der Natur, die die Stufen der Leiter bilden, auf denen der Mensch den Himmel des Bewußten erklimmen will. Doch die Welt ist zyklisch. Die vier Jahreszeiten, Leben und Tod, sind dabei nur die Unterebene eines weitaus umfassenderen Systems. So gibt es auch Zivilisationszyklen, die wiederum von anderen Zyklen beeinflußt werden.

Die beiden archetypischen Polaritäten, die allmächtige Mutter und der allmächtige Vater, wechseln sich ab. Haupt- und Nebenrollen werden dabei zyklisch vergeben. Die Erde dreht sich von einer Polarisierung zur anderen. Nach Auffassung der Aborigines ist dies noch das Zeitalter der Uninitiierten, weshalb es zum Verfall der Gesellschaft kommt. Menschen, die nicht in die Traumzeit initiiert worden sind, führen die Geschicke der Nationen.

Das gegenwärtige Zeitalter der patriarchalen Unterdrückung neigt sich aber dem Ende. Die Aborigines sagen: “Die Menschheit muß zerstört werden, um der Zerstörung zu entgehen.” Diesem Zeitalter folgt ein neues, wenn die Leiter zum Himmel des Bewußten in sich zusammengebrochen sein wird. Das Licht der unbesiegbaren Sonne wird in die Dunkelheit der besiegten Erde getaucht werden, und aus der archetypischen Dunkelheit der Natur wird ein Zyklus erwachsen, dessen Blüten der Traum eines neuen Samen sein werden.

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